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Website-Analyse
Von · · 14 Min. Lesezeit

Wie digital fit sind Deutschlands Parteien? 10 KI-Agenten analysieren sechs Partei-Websites

Parteien investieren erhebliche Ressourcen in digitale Kommunikation. Doch wie gut sind eigentlich die Websites dahinter? Wir haben sechs Partei-Websites mit demselben Verfahren untersucht, das wir für Unternehmenswebsites einsetzen – bewertet wurde ausschließlich die digitale Qualität, nicht die Politik.

Website-AnalyseBenchmarkPerformanceKI-Sichtbarkeit
Sechs Partei-Websites im KI-Check: Laptops mit Startseiten von CDU, CSU, SPD, Grünen, AfD und Linke vor dem Reichstag

Parteien investieren erhebliche Ressourcen in digitale Kommunikation. Nachrichten, politische Positionen, Kampagnen, Videos und Social Media gehören längst zum politischen Alltag. Doch wie gut sind eigentlich die Websites dahinter?

Wie schnell laden sie auf dem Smartphone? Finden Besucher schnell die gewünschten Informationen? Wie einfach ist es, Mitglied zu werden, zu spenden oder sich zu engagieren? Wie gut sind die Seiten für Google aufbereitet? Und eine zunehmend wichtige Frage: Wie verständlich sind ihre Inhalte für ChatGPT, Google AI Overviews und andere KI-Systeme?

Wir wollten es genauer wissen. Deshalb haben wir mit unserem AI Website Report die Websites von CDU, CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, AfD und Die Linke nach demselben Verfahren untersucht.

Im 21. Deutschen Bundestag bestehen Fraktionen von CDU/CSU, AfD, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke. CDU und CSU bilden gemeinsam eine Fraktion, betreiben jedoch eigenständige Partei-Websites – deshalb umfasst unsere Untersuchung sechs Websites.

Diese Untersuchung bewertet keine politischen Positionen, Programme oder Parteien. Untersucht wurde ausschließlich die digitale Qualität ihrer Websites.

Und dabei zeigen sich erstaunlich viele Gemeinsamkeiten.

10 KI-Agenten, neun Fachperspektiven und reale Website-Daten

Für die Untersuchung kam dasselbe System zum Einsatz, das wir auch zur Analyse von Unternehmenswebsites verwenden. Der AI Website Report basiert nicht lediglich auf einem Prompt, bei dem eine KI eine Website betrachtet und anschließend ihre Meinung dazu abgibt.

Zunächst werden technische und inhaltliche Daten der Website erhoben. Dazu gehören unter anderem Website-Crawls, HTML-Strukturen, robots.txt und Sitemap, strukturierte Daten sowie Google-Lighthouse-Messungen für Mobilgeräte und Desktop.

Anschließend betrachten spezialisierte KI-Agenten die Website aus unterschiedlichen Fachperspektiven – von UX und Technik über SEO und KI-Sichtbarkeit bis hin zu Conversion, Marke und Nutzerperspektive. Die Aussagen werden mit den erhobenen Messwerten abgeglichen und anschließend in einer übergeordneten Analyse zusammengeführt.

Untersucht wurden unter anderem:

Das Ergebnis ist ein Website Intelligence Score von maximal 100 Punkten sowie Einzelbewertungen der verschiedenen Disziplinen.

Der Gesamtvergleich

Die Website Intelligence Scores der sechs untersuchten Websites liegen zwischen 40 und 69 Punkten.

WebsiteScoreAuffällige StärkeAuffällige Schwäche
CDU69/100SEO 87 / Technik 85Conversion 25
CSU63/100UX 88 / Marke 81KI-Sichtbarkeit 27
Bündnis 90/Die Grünen61/100Marke 83 / Conversion 75Technik 38
Die Linke56/100Marke 83 / Conversion 75KI-Sichtbarkeit 27
SPD55/100Marke 83 / SEO 73Technik 31
AfD40/100KI-Sichtbarkeit 73Conversion 4

Die Tabelle zeigt bereits, warum ein einzelner Website-Score nur einen Teil der Geschichte erzählt. Die CDU beispielsweise erreicht hohe Werte bei Technik und SEO, gleichzeitig aber nur 25 Punkte im Bereich Conversion. Bündnis 90/Die Grünen erreicht dagegen 75 Punkte bei Conversion und 83 bei der Markenbewertung, aber lediglich 38 Punkte im technischen Bereich. Bei der AfD wiederum erreicht die KI-Sichtbarkeit 73 Punkte, während die Conversion-Bewertung bei lediglich 4 Punkten liegt.

Genau diese Unterschiede machen den Vergleich interessant. Denn eine Website kann technisch hervorragend sein und Nutzer trotzdem nicht ausreichend führen. Sie kann eine starke Marke transportieren und gleichzeitig langsam laden. Oder sie kann von Suchmaschinen problemlos indexiert werden, während wichtige Informationen für generative KI-Systeme nicht optimal strukturiert sind.

Erkenntnis 1

Mobile Performance ist eine der größten gemeinsamen Baustellen

Keine der sechs untersuchten Websites erreichte bei der mobilen Lighthouse-Performance einen Wert von 90 oder mehr. Noch anschaulicher wird der Unterschied beim Largest Contentful Paint (LCP) – er misst vereinfacht gesagt, wie lange es dauert, bis ein wesentliches Inhaltselement sichtbar wird.

Websitegemessener mobiler LCP
CDUca. 4,4 Sekunden
CSUca. 6,3 Sekunden
Die Linkeca. 9,6 Sekunden
Bündnis 90/Die Grünenca. 15,6 Sekunden
SPDca. 20,0 Sekunden
AfDca. 49,7 Sekunden

Bei der SPD ermittelte die Analyse einen mobilen LCP von rund 20 Sekunden und einen mobilen Lighthouse-Performance-Score von 48/100. Bei Bündnis 90/Die Grünen lag der gemessene LCP bei rund 15,6 Sekunden, zusätzlich wurde eine Total Blocking Time von rund 7,2 Sekunden festgestellt.

Die CSU erreichte dagegen auf dem Desktop einen Performance-Wert von 100/100; mobil lag der Wert bei 64/100 mit einem LCP von rund 6,3 Sekunden. Auch bei der CDU zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Desktop und Smartphone: 98/100 auf dem Desktop, rund 4,4 Sekunden mobiler LCP. Besonders auffällig war die Messung der AfD-Website: rund 49,7 Sekunden mobiler LCP bei einem mobilen Seitengewicht von rund 9,7 MB.

Warum das relevant ist

Gerade Websites politischer Organisationen werden häufig aus Situationen heraus aufgerufen, in denen Nutzer nicht am Desktop sitzen. Ein Beitrag in sozialen Medien, eine Nachricht oder eine Suchanfrage führt direkt auf die Website. Wenn der entscheidende Inhalt auf dem Smartphone erst mit erheblicher Verzögerung erscheint, entsteht Reibung, bevor die eigentliche Botschaft überhaupt wahrgenommen werden kann.

Für bezahlte Kampagnen kommt ein weiterer Faktor hinzu: Jeder eingekaufte Besucher, der wegen einer langsamen Zielseite abspringt, kann die Effizienz des eingesetzten Werbebudgets beeinträchtigen. Die Reports empfehlen deshalb bei mehreren Websites ausdrücklich, zunächst die mobile Performance zu verbessern, bevor Paid-Traffic umfangreich auf bestehende Seiten geleitet wird.

Dabei gilt allerdings: Performance-Messungen sind Momentaufnahmen. Lighthouse-Werte können unter anderem durch Serverantwortzeiten, Ressourcen, Skripte und die jeweilige Messsituation beeinflusst werden. Das parteiübergreifende Muster bleibt dennoch bemerkenswert.

Erkenntnis 2

Zwischen Reizüberflutung und fehlender Handlungsführung

Eine politische Website muss viele Aufgaben gleichzeitig erfüllen: Positionen recherchieren, Nachrichten lesen, Personen finden, Veranstaltungen entdecken, Ansprechpartner suchen, Mitglied werden, spenden, Newsletter abonnieren oder sich vor Ort engagieren.

Wenn alles wichtig ist, ist am Ende nichts mehr wirklich wichtig.

Bei mehreren untersuchten Websites registrierte unser System eine sehr hohe Zahl an interaktiven Elementen beziehungsweise Call-to-Actions. Bei Die Linke wurden 125 Call-to-Actions erfasst, 14 Aktionen befanden sich unmittelbar im sichtbaren Bereich. Bei Bündnis 90/Die Grünen waren es 115 CTAs; der Report kritisiert dort insbesondere die fehlende visuelle Priorisierung. Bei der CDU wurden mehr als 100 interaktive Elemente erfasst, ohne eindeutig priorisiertes Handlungsziel im Einstiegsbereich. Bei der SPD waren es 78 Call-to-Actions, auch dort ohne klare Above-the-fold-Führung.

Die Herausforderung ist damit nicht, dass politische Websites zu wenige Inhalte hätten. Im Gegenteil. Das Problem besteht häufig darin, die vorhandenen Inhalte und Handlungsoptionen zu priorisieren.

Erkenntnis 3

Viele Websites informieren – aber führen Besucher nicht konsequent weiter

Viele Partei-Websites funktionieren sehr gut als Informationsportale: Nachrichten, Programme, Positionen, Personen, Pressemitteilungen, Kampagnen, Veranstaltungen. Doch eine strategische Website sollte Besucher nicht nur informieren, sondern ihnen auch zeigen, was der nächste sinnvolle Schritt ist.

Beispielsweise:

  • Information → Interesse → Vertrauen → Engagement
  • Thema → Position → weiterführende Information → Newsletter
  • Partei kennenlernen → Mitgliedschaft verstehen → offene Fragen beantworten → Mitglied werden

Mehrere der Reports zeigen genau an diesen Übergängen Verbesserungspotenzial. Die CDU verfügt über ein starkes technisches und SEO-Fundament, erreicht beim Conversion-Agenten aber lediglich 25/100. Bei der SPD liegt die Conversion-Bewertung bei 42/100 – als wesentliche Ursache nennt der Report die Vielzahl konkurrierender Handlungsaufforderungen. Bündnis 90/Die Grünen erzielt dagegen 75 Punkte, dort bremsen vor allem Performance und Technik. Besonders niedrig fällt die Bewertung bei der AfD aus: 4/100, unter anderem wegen fehlender klarer CTAs im sichtbaren Bereich und zusätzlicher Reibung bei der Newsletter-Anmeldung durch einen vorgeschalteten Drittanbieter-Mechanismus.

Die Beispiele zeigen: Technische Qualität und Conversion-Qualität sind zwei unterschiedliche Dinge. Eine Website kann hervorragend programmiert sein und trotzdem Nutzer verlieren.

Erkenntnis 4

Klassisches SEO ist teilweise stark – bei GEO gibt es erhebliches Potenzial

Die SPD erreichte beim Lighthouse-SEO-Test 100/100. Die CDU erreichte einen SEO-Agenten-Score von 87/100 und verfügt laut Analyse über eine solide Indexierungsbasis sowie umfangreiche Inhalte. Doch SEO beantwortet zunehmend nur noch einen Teil der Frage nach digitaler Sichtbarkeit.

Immer mehr Informationssuchen beginnen nicht mehr zwingend mit einer klassischen Liste von zehn Google-Ergebnissen. Nutzer stellen Fragen an ChatGPT, Perplexity, Gemini oder andere KI-Systeme, und auch Google integriert generative Antworten direkt in die Suche. Damit entsteht eine neue Frage: Kann eine KI eindeutig verstehen, wer eine Organisation ist, wofür sie steht, wer bestimmte Aussagen verantwortet und welche Informationen zuverlässig zitiert werden können? Genau hier setzt Generative Engine Optimization – GEO – an.

Was würde eine solche Analyse auf Ihrer Website finden?

Dieselbe Untersuchung, dieselben Fachperspektiven – angewendet auf Ihre eigene Website.

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Erkenntnis 5

Viel Content bedeutet noch lange keine optimale KI-Sichtbarkeit

Politische Websites verfügen über hervorragendes Ausgangsmaterial für generative Suchsysteme: ausführliche Positionen, Programme, Personen und Funktionen, Pressemitteilungen, Veranstaltungen, Zahlen und Statistiken sowie zahlreiche Aussagen, die grundsätzlich zitierfähig wären. Doch Menschen und Maschinen lesen Websites unterschiedlich.

Eine KI profitiert unter anderem von eindeutig strukturierten Informationen, klaren Entitäten, nachvollziehbarer Autorenschaft, Quellen und Frage-Antwort-Strukturen. Genau dort zeigen die Analysen teilweise erhebliche Unterschiede.

Bei der CDU erreicht die KI-Sichtbarkeit 73/100: Ein LLM erkennt Organisation, zentrale Themen und verantwortliche Personen grundsätzlich eindeutig, während Urheberschaft einzelner Inhalte und strukturierte Vergleiche teilweise unklar bleiben. Auch die AfD erreicht 73/100 – vorhandene Zahlen, namentlich zugeordnete Pressemitteilungen und der Bot-Zugriff werden als gute Ausgangsbasis bewertet, umfassendere maschinenlesbare Verknüpfungen fehlen dagegen. Bei Die Linke identifizierte der Report 58 Zahlen beziehungsweise Statistiken als potenziell zitierfähiges Rohmaterial, bemängelt aber fehlende Autoreninformationen, Quellenverweise und strukturierte FAQ-Formate.

Bei der SPD fällt der Unterschied besonders deutlich aus: SEO 73/100, KI-Sichtbarkeit 27/100. Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum Unternehmen und Organisationen künftig SEO und GEO getrennt betrachten sollten.

Erkenntnis 6

Strukturierte Daten werden noch erstaunlich wenig genutzt

Schema.org-Markup hilft Suchmaschinen und anderen maschinellen Systemen dabei, Inhalte nicht nur als Text zu lesen, sondern deren Bedeutung einzuordnen: Das ist eine Organisation. Das ist eine Person. Das ist ein Artikel, ein Autor, eine Veranstaltung, eine Frage mit dazugehöriger Antwort.

Gerade politische Websites bieten dafür zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Trotzdem wurden bei mehreren der untersuchten Startseiten keine JSON-LD-Blöcke erkannt: bei der SPD lag der gemessene Wert bei 0, bei der CSU ebenfalls, und auch bei Bündnis 90/Die Grünen wurden auf der untersuchten Startseite keine entsprechenden Blöcke gefunden. Die CDU wies dagegen einen Schema-Block auf.

Hier liegt eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, bestehende Inhalte maschinenlesbarer aufzubereiten. Dabei geht es nicht darum, Texte „für ChatGPT“ statt für Menschen zu schreiben. Im Idealfall passiert das Gegenteil: Gute GEO-Strukturen machen Inhalte gleichzeitig klarer für Menschen, Suchmaschinen und KI-Systeme.

Erkenntnis 7

Barrierefreiheit fällt vergleichsweise positiv auf

Die gemessenen Lighthouse-Accessibility-Werte liegen bei mehreren Websites deutlich höher als deren Performance-Werte: CDU 93/100, CSU 93/100, SPD 87/100, AfD 82/100 und Bündnis 90/Die Grünen 74/100.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Websites vollständig barrierefrei sind. Automatisierte Tests erfassen nur einen Teil der Anforderungen und ersetzen keine vollständige manuelle Prüfung. Auch die Reports identifizierten konkrete Schwachstellen: Bei Die Linke wurden fehlende Formular-Labels, Probleme mit der Überschriftenhierarchie und Schwierigkeiten beim Skip-to-Content-Link festgestellt, bei der SPD unter anderem kleinere Probleme bei Touch-Targets, interaktiven Elementen ohne zugänglichen Namen und der Überschriftenhierarchie.

Trotzdem zeigt die Untersuchung, dass grundlegende Accessibility-Aspekte bei vielen der untersuchten Websites bereits berücksichtigt werden.

Erkenntnis 8

Websites sollten stärker in Bürgerfragen denken

Organisationen strukturieren Websites häufig nach ihrer eigenen internen Logik: Aktuelles, Partei, Programm, Presse, Personen, Termine. Aus organisatorischer Sicht ist das nachvollziehbar – Menschen denken allerdings selten in Organisationsstrukturen. Sie haben Fragen.

  • Wie kann ich Mitglied werden?
  • Was kostet eine Mitgliedschaft?
  • Wie steht die Partei zu einem bestimmten Thema?
  • Wer ist dafür verantwortlich?
  • Wie kann ich mich in meiner Stadt engagieren?
  • Wie kann ich spenden?
  • Was bedeutet eine bestimmte politische Forderung konkret?

Genau solche Frage-Antwort-Strukturen haben einen doppelten Vorteil: Sie helfen Menschen, schneller Antworten zu finden – und sie erleichtern es gleichzeitig Suchmaschinen und KI-Systemen, konkrete Informationen einer Frage zuzuordnen.

Sechs Websites – sechs unterschiedliche digitale Profile

Die Gesamtscores allein werden den Websites nicht gerecht. Deshalb lohnt sich ein kurzer Blick auf die jeweiligen Auffälligkeiten.

CDU: Stark bei Technik und SEO, schwächer bei der Conversion-Führung

Die CDU-Website erreicht einen Website Intelligence Score von 69/100. Besonders stark bewertet werden UX mit 89 Punkten, SEO mit 87 und Technik mit 85. Die Conversion-Perspektive erreicht dagegen lediglich 25 Punkte. Die Analyse beschreibt die Website vor allem als leistungsfähiges digitales Informations- und Nachrichtenangebot; Verbesserungspotenzial besteht insbesondere darin, Besucher stärker zu konkreten Handlungen zu führen. Auch für bezahlten Traffic empfiehlt der Report fokussierte Landingpages statt der umfangreichen Hauptseiten.

CSU: Gute UX, aber Potenzial bei SEO und KI-Sichtbarkeit

Die CSU erreicht insgesamt 63/100. Besonders positiv bewertet wird die User Experience mit 88 Punkten, auch Marke und Nutzerperspektive erzielen mit 81 beziehungsweise 79 Punkten vergleichsweise hohe Werte. Deutlich niedriger fallen SEO mit 47 und KI-Sichtbarkeit mit 27 Punkten aus. Hinzu kommt der Unterschied zwischen Desktop (100/100) und Mobil (64/100). Der Report sieht Potenzial bei mobiler Performance, transaktionalen Landingpages, Metadaten und strukturierten Daten.

Bündnis 90/Die Grünen: Starke Marke und Conversion, technische Bremse

Bündnis 90/Die Grünen erreicht 61/100. Marke und Conversion werden mit 83 beziehungsweise 75 Punkten relativ hoch bewertet, der technische Agent vergibt dagegen lediglich 38 Punkte, die KI-Sichtbarkeit 36. Besonders auffällig ist die mobile Performance mit einem gemessenen LCP von rund 15,6 Sekunden. Gleichzeitig wurden auf der Startseite 115 CTAs festgestellt – der Report empfiehlt deshalb sowohl eine technische Optimierung als auch eine stärkere visuelle Priorisierung der zentralen Handlungsziele.

Die Linke: Aktivierende Angebote, aber sehr viele Handlungsoptionen

Die Website von Die Linke erreicht 56/100. Auffällig sind konkrete Kampagnen- und Serviceelemente, die politische Themen unmittelbar mit einem Nutzwert verbinden. Gleichzeitig stellte die Analyse 125 Call-to-Actions und 14 interaktive Elemente unmittelbar im sichtbaren Einstiegsbereich fest. Hinzu kommen Probleme mit Formular-Labels, Überschriftenstrukturen und der mobilen Layout-Stabilität.

SPD: Inhaltliche Tiefe trifft auf erhebliche Performance-Probleme

Die SPD erreicht 55/100. SEO und Marke werden mit 73 beziehungsweise 83 Punkten bewertet, Technik erreicht dagegen nur 31 Punkte und KI-Sichtbarkeit 27. Besonders auffällig war die mobile Messung mit einem LCP von rund 20 Sekunden, gleichzeitig wurden 78 Call-to-Actions registriert. Positiv bewertet werden unter anderem die hohe inhaltliche Substanz, die vollständige Alt-Text-Abdeckung der untersuchten Bilder sowie die technische SEO-Grundlage.

AfD: Hohe KI-Sichtbarkeit trifft auf schwache Conversion-Struktur

Die AfD-Website erreicht 40/100. Auffällig ist die große Spreizung zwischen den Disziplinen: Die KI-Sichtbarkeit erreicht 73 Punkte, die Conversion-Bewertung dagegen lediglich 4 Punkte. Zum Analysezeitpunkt wurde zudem ein mobiler LCP von rund 49,7 Sekunden bei einem Seitengewicht von rund 9,7 MB gemessen. Der Report stellte keine klaren CTAs im unmittelbar sichtbaren Einstiegsbereich fest und identifizierte zusätzliche Reibung beim Newsletter-Einstieg. Auf der anderen Seite bewertet der GEO-Agent die Zitierfähigkeit vorhandener Inhalte vergleichsweise positiv.

Was Unternehmen aus dieser Untersuchung lernen können

Warum analysieren wir ausgerechnet Partei-Websites? Weil sich an ihnen Probleme besonders gut beobachten lassen, die auch viele Unternehmenswebsites betreffen. Die Bezeichnungen ändern sich, die Mechanismen bleiben erstaunlich ähnlich: Aus „Mitglied werden“ wird „Angebot anfordern“, aus „Spenden“ wird „Jetzt kaufen“, aus „Parteiprogramm“ werden „Produkte und Leistungen“, aus „politischen Positionen“ werden „Lösungen und Kompetenzen“ – und aus dem Newsletter wird der Lead.

Auch Unternehmen besitzen häufig sehr viel Content, zahlreiche Navigationspunkte und unterschiedliche Zielgruppen. Und auch dort stellt sich dieselbe Frage: Findet ein Besucher schnell die für ihn relevante Information – und versteht er anschließend, was er tun soll?

1. Mobile First darf keine Floskel sein

Eine Website kann am Desktop hervorragend funktionieren und auf dem Smartphone trotzdem erhebliche Probleme verursachen. Mobile Performance sollte deshalb separat gemessen und optimiert werden.

2. Mehr Auswahl ist nicht automatisch besser

100 Links bieten theoretisch viele Möglichkeiten. Praktisch können sie dazu führen, dass keine davon ausreichend Aufmerksamkeit erhält. Gute Nutzerführung bedeutet deshalb auch, Entscheidungen zu treffen.

3. Content und Conversion gehören zusammen

Guter Content beantwortet Fragen und baut Vertrauen auf. Eine gute Website zeigt anschließend, wie es weitergeht. Fehlt dieser Übergang, bleibt Reichweite möglicherweise ohne die gewünschte Wirkung. Welche Signale dabei helfen, beschreiben wir im Beitrag Vertrauen ist messbar.

4. SEO und GEO müssen künftig gemeinsam gedacht werden

Eine Website kann für Google technisch hervorragend optimiert sein und trotzdem Defizite bei der maschinenlesbaren Struktur, Autorenschaft oder Zitierfähigkeit für generative Systeme aufweisen. SEO verschwindet deshalb nicht – es bekommt eine zusätzliche Ebene. Warum das konkret Folgen hat, zeigt der Beitrag Warum ChatGPT Ihre Website nicht empfiehlt.

5. Websites sollten Probleme und Fragen ihrer Nutzer abbilden

Unternehmen denken in Abteilungen, Parteien in Ressorts – Nutzer denken in Fragen. Die Informationsarchitektur einer Website sollte deshalb nicht ausschließlich die interne Struktur einer Organisation widerspiegeln.

Eine Website ist heute mehr als Design plus SEO

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis unserer Untersuchung: Die Qualität einer Website lässt sich nicht mehr sinnvoll mit einer einzigen Disziplin beurteilen. Ein perfekter Lighthouse-SEO-Wert bedeutet noch nicht, dass Besucher konvertieren. Eine schöne Gestaltung bedeutet nicht, dass eine Website schnell lädt. Viel Content bedeutet nicht automatisch, dass KI-Systeme die wichtigsten Informationen eindeutig verstehen.

Deshalb betrachten wir Websites aus mehreren Perspektiven: Technik, SEO, GEO, UX, Conversion, Paid Traffic, Marke, Nutzer und Strategie. Erst das Zusammenspiel zeigt, wo eine Website tatsächlich Potenzial verliert – mehr dazu in unserer Website-Analyse.

Fazit: Viel Substanz – aber auch überraschend viel ungenutztes digitales Potenzial

Die Untersuchung der sechs Partei-Websites zeigt kein einheitliches Bild. Einige Auftritte verfügen über starke technische und SEO-Grundlagen, haben aber Schwächen bei der Conversion-Führung. Andere transportieren Marke und Inhalte überzeugend, werden jedoch von langsamer mobiler Performance ausgebremst. Wieder andere verfügen über grundsätzlich zitierfähige Inhalte, bereiten diese aber noch nicht konsequent für generative KI-Systeme auf.

Parteiübergreifend zeigen sich dabei drei wiederkehrende Themen:

  • Mobile Performance
  • Klare Nutzerführung
  • Maschinenlesbare Aufbereitung für die KI-Suche

Und genau diese drei Themen begegnen uns auch auf Unternehmenswebsites immer wieder. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur „Sieht sie gut aus?“ oder „Ist sie SEO-optimiert?“, sondern: Erreicht die Website ihre Ziele – für Menschen, Suchmaschinen und zunehmend auch für KI-Systeme?

Methodischer Hinweis

Analysiert wurden die Websites von CDU, CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, AfD und Die Linke mit dem AI Website Report von Digitales Wachstum. Die Untersuchung bewertet ausschließlich technische, strukturelle und digitale Eigenschaften der Websites. Sie enthält keine Bewertung der politischen Programme, Positionen, Personen oder Parteien.

Alle Ergebnisse beziehen sich auf den jeweiligen Zeitpunkt der Analyse. Websites verändern sich kontinuierlich; insbesondere Performance-Werte können aufgrund von Serverauslastung, technischen Änderungen, Drittanbieter-Skripten und anderen Faktoren schwanken. Die genannten Lighthouse- und Accessibility-Werte stammen aus automatisierten Messungen und ersetzen keine vollständige manuelle Prüfung und keine rechtliche Bewertung. Auch der Website Intelligence Score ist keine politische oder qualitative Bewertung einer Partei.

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Häufige Fragen

Bewertet die Untersuchung politische Inhalte?
Nein. Untersucht wurden ausschließlich technische, strukturelle und digitale Eigenschaften der Websites – keine Programme, Positionen, Personen oder Parteien.
Welche Websites wurden analysiert?
Die Websites von CDU, CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, AfD und Die Linke. CDU und CSU bilden gemeinsam eine Bundestagsfraktion, betreiben aber eigenständige Websites – deshalb sechs Websites.
Wie wurde gemessen?
Zunächst wurden reale Daten erhoben: Website-Crawl, HTML-Struktur, robots.txt und Sitemap, strukturierte Daten sowie Google-Lighthouse-Messungen für Mobil und Desktop. Anschließend bewerteten spezialisierte KI-Agenten die Website aus neun Fachperspektiven, abgeglichen mit den Messwerten.
Wie belastbar sind die Performance-Werte?
Lighthouse-Messungen sind Momentaufnahmen und können durch Serverauslastung, Drittanbieter-Skripte und die Messsituation schwanken. Das parteiübergreifende Muster schwacher mobiler Performance bleibt dennoch bemerkenswert.